Stand: 21.08.2018

Schneider: Rente muß grundreformiert werden

In der Debatte um die Zukunft der Rente hat der Paritätische Wohlfahrtsverband die Bundesregierung zu umfassenden Reformen aufgefordert. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) will das Rentenniveau von 48 Prozent des Durchschnittsverdienstes bis 2040 garantieren. Dem Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider, reicht das nicht. Auf NDR Info warb er dafür, das Rentenniveau auf 53 Prozent anzuheben und die Rentenversicherung breiter aufzustellen. 48 Prozent seien aus seiner Sicht ein viel zu niedriges Niveau: "Wir müssen es wieder anheben auf genau den Stand, auf dem es mal war, bevor wir die Riesterrente einführten und das Rentenniveau auf Talfahrt schickten."

"Aufhören mit unsinnigen Subventionen!"

Aus der Rentenversicherung soll aus Schneiders Sicht "eine richtige Erwerbstätigenversicherung" werden, in die alle einzahlen. Politiker, Freiberufler oder Beamte - alle sollten seiner Meinung nach in ein System einzahlen: "Dann kommt eine viel breitere Bemessungsgrundlage raus. Dann nimmt man auch Geld ein", sagte Schneider auf NDR Info. "Wir sagen weiterhin: Hört mit den unsinnigen Subventionen von Riesterrenten auf, die nichts bringen, oder auch von der betrieblichen Altersversorgung, die ja kaum was bringt. Gebt dieses Geld einer starken, gesetzlichen Rentenversicherung.

Das Äquivalenz-Prinzip alleine reicht nicht

Ein wesentlicher Punkt im Rentensystem sei das Äquivalenz-Prinzip, also dass sich die Rente daran orientiert, was man eingezahlt hat. Doch das reiche nicht, so Schneider: "Wir sind an der Zeit, dass neben dieses Prinzip auch die Solidarität treten muss. So ähnlich wie es in der Schweiz gehandhabt wird, oder in Österreich: Die, die mehr haben, können ruhig ein bisschen mehr einzahlen und müssen nicht das Volle rauskriegen."

Das zu ändern sei schwierig, weil es starke Lobby-Gruppen für das aktuelle System gebe. Der Beamtenbund sei zum Beispiel stark. Außerdem müsse man sehen, dass Parlamentarier durchweg Menschen seien, die mit der Rente nichts zu tun haben: "Die haben kein persönliches Interesse daran, jetzt selbst Beitragszahler zur Rentenversicherung zu werden. Wir sind der festen Überzeugung: Wenn unsere Parlamente bestückt wären von Menschen, die selber mal mit der Rente hinkommen müssen, sähe die Rentenpolitik in Deutschland ganz anders aus."

Eine Mindestrente muss möglich sein

Die Rentenkommission könne nicht viel leisten, da sie sich vor allem mit Zahlen beschäftige. Sie müsse dafür sorgen, dass der Beitragssatz nicht über 20 Prozent steigen darf, und gleichzeitig schauen, dass das Niveau nicht unter 48 Prozent kippt. "Also hätte man genauso gut eine Reihe von Mathematikern hinsetzen können. So wirklich Kreatives wird von denen nicht verlangt."

Der Paritätische Wohlfahrtsverband hingegen fordere, wer lange Jahre eingezahlt hat, der brauche eine wie immer ausgestaltete Mindestrente, eine Mindestabsicherung. "Wer also immer im Niedriglohnsektor tätig war, 40 Jahre lang, der muss eine Rente haben, die so hoch ist, dass er nicht zum Sozialamt muss." 900 bis 1.000 Euro monatlich sollten möglich sein. "Nicht beitragsfinanziert, sondern steuerfinanziert."

"Gesetzliche Rentenversicherung wirft die beste Altersversorgung ab"

So wie das Rentensystem momentan funktioniere, komme man nicht an einer privaten Vorsorge vorbei. Das Rentenniveau sei aktuell zu niedrig, so Schneider: "Und wenn man einen Tipp geben darf: Wenn jemand wirklich Geld übrig hat und sagt: Was mache ich damit? Dann: Nach Möglichkeit freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung einzahlen. Die wirft im Moment noch die beste Altersversorgung ab." Eine Rente, von der man auch leben kann, müsse auf jeden Fall über dem Grundsicherungsniveau liegen.


Kommentare von der Bevölkerung


Wolfgang Domeier, Gerechtigkeit braucht Engagement

Die Politik hat sich von den Lobbyisten Scheuklappen aufsetzen lassen. Für sie gibt es nur drei "Stellschrauben" für die Rente:

- Das Rentenniveau

- Das Renteneintrittsalter

- Das Beitragsniveau

Diese "Stellschrauben" wurden angezogen und deshalb haben wir heute:

- Signifikant gesenkte Renten durch die Eingriffe in die Anpassungsformel

- Immer mehr Menschen müssen vorzeitig mit Abschlägen in Rente gehen, weil sie nicht bis zum erhöhten Renteneintrittsalter arbeiten können oder beschäftigt werden.

- Deutlich zunehmende Altersarmut - sie ist nicht allein durch die Zahl der "Grundsicherungsempfänger" bestimmbar - Alle, die heute weniger als 3.000 € verdienen, müssen mit einer Rente von weniger als 1.000 € rechnen - Das sind viele Millionen Beschäftigte!

- Drastisch angestiegene Beiträge - für die Beschäftigten!

Denn die Beiträge für die "private Altersversorgung müssen natürlich mitgerechnet werden - und die müssen die Beschäftigten überwiegend allein bezahlen.

Als Norbert Blüm Ender der 90er das Rentenniveau von 70% auf 64% absenken wollte, ging ein Aufschrei durch die Republik. Deshalb wurde die UNION abgewählt und durch eine Rot/Grüne Koalition ersetzt.

Das Ergebnis: Wir diskutieren wir heute, ob wir ein Niveau von 48% finanzieren können!

Auch wenn mir Prof. Schnabel in der Sendung vehement widersprochen hat:

Eine ANSTÄNDIGE Altersversorgung ist eine Pflicht der GESAMTEN Gesellschaft - an der sich ALLE EINKOMMEN beteiligen müssen!

campact.org/solidarische-renten


Fuß Kerstin

Ich finde es sehr gut, daß O. Schulz die Rente so anspricht.

Den Vorschlag von der Wohlfahrtkommission finde ich super. Die Freiwilligen Einzahlungen müssen so attraktiv sein, daß jeder vor allen anderen Sparen hier für seine Rente als erstes Einzahlt. U. Wir müssen nicht ständig eine neue Versicherung für Dies u. Das suchen. Mathematiker haben wir wirklich genug auch ein paar Herzmenschen werden gebraucht. Nicht nur Studien!!!


Paul Merzenich

Wer Rente oder Pension beziehen will muss auch Einbezahlen.


Monika Schmähl

Jeder redet hier von Rente und Anhebung der Renten aber nicht von der Abschaffung der Besteuerung der Rente. Ich Frage mich nicht mehr wer dass finanzieren soll. Die Rentner die Steuern zahlen müssen und lange in die Rentenkasse eingezahlt haben, werden im Nachhinein auch noch dafür bestraft dass sie solange gearbeitet haben. Genauso bei der Zusatzversorgung wird der volle Beitragssatz zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung abgezogen. Wieder ca. 20 % weniger im Geldbeutel. Ich sage DANKE dafür dass wir allein gelassen werden und kräftig geschröpft werden.


Peter Pfarr

Wenn die Politik es nicht schafft das alle, Selbstständige, Beamte etc., in die Sozialkassen einzahlen geht das hier in die Hosen!


Olav Weichert

Ich bin der Überzeugung, dass alle Menschen in die Rentenkassen einzahlen sollten und auch alle davon profitieren sollten. Allerdings sollte meiner Meinung nach jemand der in seinem Arbeitsleben mehr als eine Millionen Euro verdient hat in der Rente nicht etwa 40% davon erhalten, sondern eine maxirente von 20.000 € im Monat.

(Wenn man Bedenkt, dass die meisten Deutschen in ihrem Arbeitsleben deutlich weniger verdienen, ein mehr als fairer Wert)


Madeleine Arm

Das ist eine Milchmädchenrechnung.

1. von den 900 - 1000 € würde auch noch die Krankenversicherung abgehen - dann ist es auch nicht mehr als Grundsicherung.

2. Bei der gesetzlichen Rente gibt es eine Beitragsbemessungsgrenze, mehr wird nicht ein- oder ausgezahlt.

3. Das Problem wäre durch eine Erweiterung des Personenkreises nicht behoben, sonder nur zeitlich nach hinten verschoben. Sobald diejenigen, die zusätzlich einzahlen würden ins Rentenalter kommen, würde sich die Misere sogar noch verschärfen.


F. Beck

Wenn alle Rentenbeiträge bezahlen müssten, also wirklich alle und die nichts bekommen würden die noch nie in Deutschland eingezahlt haben, sehe es bei uns mit der Rente gut aus. Genauso ist der Rentensteuerfreibeitrag viel zu niedrig.


Nachlesen in: NDR.de

Eine Dokumentation von MDR: Wie man die Rente reformieren könnte

Leute last Euch das nicht gefallen von den lobbysten korrupten und profitgierigen Politikern , geht auf die Straße!!! Wir haben es satt ausgebeutet zu werden!!!