Radiosender missachten Musikwünsche ihrer Hörer

Einen Titel und ein Interview mit Adam & Gaby Baginsky




Anlässlich des Tags der deutschen Sprache am Samstag, dem 10. September, haben der Verein Deutsche Sprache (VDS) und das Deutsche Musik-Exportbüro eine Untersuchung und Befragung bei heimischen Radiosendern durchgeführt. Das Ergebnis ist für Deutschland als Kulturnation erschreckend und beschämend zugleich: Deutsche Hörfunksender spielen durchschnittlich nur zu zehn Prozent Musiktitel in deutscher Sprache. Bei einigen wenigen Spezial- und Schlager­programmen liegt der Wert etwas höher, aber bei Privatsendern meist noch deutlich niedriger. Dazu erklärte VDS-Mitglied und Liedermacher Reinhard Mey auf einer VDS-Pressekonferenz: „Die Musikauswahl wird mir zwar gebetsmühlenartig als „die größte Vielfalt“ angepriesen, besteht aber ausschließlich aus den englischen Top 100 und ein paar immer­gleichen Oldies." Die niedrige Abspielhäufigkeit deutschsprachiger Titel steht in einem krassen Missverhältnis zu den Wünschen der Hörer. Eine Langzeit­beobachtung der Verkaufsranglisten von Media Control und Amazon hat ergeben, dass die Deutschen durchschnittlich zwischen 20 und 30 % deutschsprachige Musik kaufen bzw. nachfragen. Und dieser Wert wäre noch viel höher, wenn sie nicht ständig mit englischsprachiger Musik im Radio berieselt würden. Reinhard Mey verdeutlichte dies an einem Beispiel: „Ich denke immer an den Vergleich mit dem Schuhgeschäft, in dem es braune, weiße, schwarze und blaue Schuhe gibt. Wenn aber immer nur die braunen ins Fenster gestellt werden, kaufen die Leute irgendwann auch nur noch braune und nach und nach wird die Produktion der anderen Farben eingestellt werden.“ Eine Umfrage von Spiegel-Online im vergangenen Jahr hat den Wunsch der Deutschen nach mehr Musik in der eigenen Sprache ebenfalls unterstrichen. Über 54% der Umfrageteilnehmer sprachen sich dafür aus. Kaum zu glauben war ein Kommentar eines Privatfunk-Vertreters bei einer Anhörung im Kulturausschuss des Bundestages. Er meinte, dass man nicht so viel deutschsprachige Musik spielen könne, weil diese von den deutschsprachigen Werbeblöcken ablenken würde. Prof. Dr. Walter Krämer, Vorsitzender des VDS, sagte dazu: „Bei den deutschen Sendern hat sich ein regelrechter Irrsinn breitgemacht, den die missachteten Hörer durch GEZ-Zwangsgebühren und den Kauf von beworbenen Produkten unbewusst mitfinanzieren müssen. Ich kann nur jedem Radiohörer empfehlen, dagegen zu protestieren.“ Auf einen weiteren Aspekt, der in der jetzigen Wirtschaftskrise eine besonders große Bedeutung hat, weist VDS-Mitglied und TV-Moderator Dieter Thomas Heck in einem Appell hin. Er beklagt, dass durchs Abspielen englisch-/amerikanischer Musik-Massenware ein Großteil der GEMA-Gebühren ins Ausland abfließt und den deutschen Nachwuchs­künstlern fehlt. Deutsche Musikredakteure geben oft vor, unabhängig zu sein. In Wahrheit sind sie häufig willfährige verlängerte Arme der großen amerikanisch dominierten Musikkonzerne, die mit aller Macht weltweit „Music made in USA“ durchdrücken wollen. Prof. Dr. Krämer: „Der VDS fordert Musik-Vielfalt in verschiedenen Sprachen und keine Radioquote mit 90% englischsprachiger Musik.